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„Bespoke“ – so nennt der Engländer bezeichnend den „besprochenen Anzug“ wie er in der Maßkonfektion oder beim Maßschneider entsteht. „Bespoke“ ist auch bezeichnend für den Unterschied zwischen der Kategorie „Anzug von der Stange“ und des Anzugs nach Maß. Ich hangele mich zur Erläuterung am Gerüst „Beratung, Vermaßung, Produktion, Anprobe“ entlang:

1. Beratung: Jeder kennt die Situation im Bekleidungskaufhaus: mehrere Verkäufer lauern auf den Kunden, um ihm einen auf Lager befindlichen Anzug zu verkaufen. Die Kompetenz des Verkäufers beschränkt sich dabei zumeist im Erkennen der richtigen Konfektionsgröße, um dem Kunden die Auswahl aus dem Vorrat zu erleichtern. Im Idealfall der Konfektion können Sie unterschiedliche Hosengrößen mit unterschiedlichen Sakkogrößen in Slim oder Normal im gleichen Stoff kombinieren. Allerdings wird daraus schon ersichtlich, dass die Bandbreite der Stoffauswahl durch die Menge der Bevorratung der verschiedenen Konfektionsgrößen begrenzt ist – denn am Ende der Saison muss der Vorrat verkauft sein oder zu Schlußverkaufspreisen abverkauft werden. Ganz im Gegensatz zur Maßberatung: Hier entsteht ein Profil des Kunden, für einen auf ihn ideal zugeschnittenen Anzug, bzw. ein ideal zugeschnittenes Kleidungsstück. Und nicht nur das, natürlich kann der Kunde auch bestimmen, ob die Verarbeitung verklebt oder unfixiert sein soll.

2. Vermaßung: De facto bei der Konfektion nur abgeschätzt und anprobiert. Bei Anzügen nach Maß werden grundsätzlich Körpermaße genommen und Schnittveränderungen besprochen – ob leger, sportlich, tailliert oder superslim, je nach Vorliebe des Kunden wird der Schnitt miteinander verienbart und dann mit den gewählten Stoffen und Austattungsdetails in Auftrag gegeben.

3. Produktion: Bei der Konfektion bestimmt der Händler im Vorfeld, welche Ware er dem Kunden in der kommenden Saison anbietet. Diese ist dann im Hause bevorratet und kann ggf. während der Saison aus Lägern des Herstellers bei Bedarf abgerufen werden. Bei Anzügen nach Maß „Bespoke“ wird grundsätzlich das Stück produziert, das vom Kunden nach Beratung und Vermaßung per Vertrag individuell bestellt wurde.

4. Anprobe: Während bei „Bespoke“ der Anzug nach Lieferung durch den Kunden anprobiert wird und der Feinschliff bzw. weitere Maßänderungen detailliert besprochen und festgehalten werden, und damit das Maßprofil des Kunden weiter vervollkommnen, geht an dieser Stelle der Verkaufsprozess im Konfektionshaus erst weiter: „Also der passt Ihnen ja wie Faust auf Auge. Ein wenig Ärmel kürzen, hier noch ein bisschen antailliert und alle werden Sie beneiden.“ – Kennen Sie das? Glauben Sie das noch? Dann bitte testen Sie den Unterschied – der lässt sich erkennen und fühlen. Beim Konfektionär sind meistens Sie Ihr bester Berater.

Häufig gefragt wurden wir auf der aktuellen Hochzeitsmesse, was denn der Unterschied zwischen Anzug und Smoking wirklich wäre. Hier die Hauptkriterien:

  • Der Smoking ist schwarz oder mitternachtsblau, in Amerika „Tuxedo“, in England „Dinner Jacket“ genannt. Man trägt ihn vor allem dann, wenn man bei Einladung der Bitte nach einem „Black Tie“ nachkommen möchte.
  • Das Sakko besitzt ein in Satin abgesetztes Revers. Zum Einsatz kommt hier ein echter Seidensatin oder der künstliche unempfindlichere Ersatz, die sogenannte „Revers-Seide“. Auch die Taschenpaspel werden in Satin abgesetzt. Die Knöpfe sind mit Satin ummantelt. Das Smoking-Sakko hat normalerweise keine Klappen (Patten) auf den seitlichen Taschen und keine Rückenschlitze. Am Markt kursieren sowohl Zweireiher als auch Einreiher in Ein- und Zweiknopfvarianten.
  • Die klassische Smokinghose besitzt seitlich einen Besatzstreifen aus Satin, den sogenannten „Gallon“. Bei modernen Varianten wird der Gallon durch einen schmaler ausfallenden Paspel aus Seidensatin ersetzt. Aber immer ist dieser glänzende Seitenstreifen zu finden. Die Hose wird ohne Umschlag getragen, klassisch mit Bundfalte, moderner Weise ohne, also als sogenannte „Flat front“. Gürtel zum Smoking ist tabu – entweder kommen Hosenträger zum Einsatz oder ein sogenannter Tunnelbund, der die Verengung der Hose über einen geknöpften Gummizug zulässt.
  • Zum Smoking trägt man eine gleichfarbige Schleife (gemeinhin als Fliege bekannt) sowie einen gleichfarbigen Kummerbund (von cummer bund, indische Taillenschärpe) oder eine Smokingweste mit tiefem U-Ausschnitt. Beide Varianten sollen vor allem davor schützen, dass unter dem Schließknopf des Smoking das Hemd hervorlugt. Die stilvolle Schleife ist natürlich handgebunden und entspricht der Kragenweite des Hemdes – muss daher nach Maß und an einem Stück gearbeitet sein.
  • Das Hemd ist normalerweise von weißer Farbe und wird mit Umschlagmanschetten getragen. Es besitzt einen normalen Kentkragen oder einen Kläppchenkragen und nie eine Knopfleiste mit sichtbaren, angenähten Knöpfen. Entweder ist die Knopfleiste verdeckt oder für den Einsatz von Schmuckknöpfen vorbereitet. Das Hemd darf seitlich der Knopfleiste auch eingesetzte Falten, die sog. „Biesen“ besitzen.
  • Die Schuhe sind schlichte Oxfords in glänzendem schwarz, klassischerweise sogar in Lack.

Das Umfunktionieren des Smokings wird dann und wann für Hochzeiten vorgenommen. Wenn der Wunsch nach der Anschaffung eines Smoking mit der Hochzeit verbunden wird, erleben wir auch die Kombination des zweiteiligen Smokings mit einer Hochzeitsweste, dem Plastron und damit einhergehend einem Hemd mit Haifischkragen – des Plastronknotens wegen. Diese Kombination ist allerdings für normale Abendanlässe mit Smokingpräsenz absolut unzulässig.

Gerade haben wir es erlebt. Ein Gebäude in Indien stürzt ein. Nicht einfach eines. Nein. Es ist ein Gebäude, das zweckentfremdet wurde: Überladen mit Ansprüchen westlicher Unternehmen, günstige Textilien nach Europa zu exportieren. Es stürzt ein, weil viel zu viel Gewicht, viel zu viele Menschen in das Gebäude gepfercht wurden. Nicht das erste Gebäude, das seiner Belastung innerhalb des Systems optimierter Kosten nicht mehr standhalten konnte. Der Verlierer ist der Mensch, bzw. im weiteren Sinne die Umwelt, die Schwächeren und die Schwächsten. Können wir einen Anreiz daraus gewinnen, dieses System zu überdenken? In Stilblogs lese ich über Werbung von Chinos für 59 €, Hemden ab 39 €. Mal ganz ernsthaft: Was meint Ihr denn, wo die hergestellt werden? Soll Stil beginnen, ohne Berücksichtigung menschenwürdiger Produktion? Steht die stilbewusste Dame bzw. der stilbewusste Herr über diesen Dingen?

Maßschneider und Maßkonfektionär stellen individuelle Maßkleidung her – also Kleidung nach dem Maß der Kundin bzw. des Kunden. Hauptunterschied ist der, dass der Maßschneider die Kleidung zusammen mit seinen Praktikanten, Aushilfen und Festangestellten selbst herstellt, der Maßkonfektionär bedient sich in der Herstellung eines Industrieunternehmens, dass die Kleidung nach den gewünschten Maßen ebenfalls individuell herstellt. Durch den Prozess ergeben sich folgende Unterschiede:

1. Beratungsgespräche vorab: Im Idealfall kein Unterschied: Beim ersten Kontakt erfolgt ein Kennenlerner.Der gute Berater stellt fest, wie einerseits qualitäts- und stilbewusst dewr Kunde ist, auf der anderen Seite, wie preisempfindlich er ist. Er erhält dadurch einen ersten Beratungskorridor, der immer weiter verfeinert wird. Der AUswahl der Anfertigungstechnologie und des Produzenten folgt dann die Stoffwahl sowie die Ausgestaltung der fertigen Kleidungsstücke. Bei Erstvermaßung rechnen wir 30-60 Min. für die Ausgestaltung und 30-60 Minuten für die Vermaßung.

2. Vermaßung: Der Maßschneider nimmt die Körpermaße per Maßband ab, der gute Maßkonfektionär nimmt die Körpermaße ebenfalls entweder per Maßband oder 3-D-Laserscanner (z.B. Rebmann Maßkonfektion) ab. Der Maßschneider korrigiert diese Maße während der Herstellung innerhalb der unterschiedlichen Anproben jedes Mal, da er immer nur Zwischenstände anfertigt, der Maßkonfektionär hat diese Möglichkeit nicht – der Feinschliff erfolgt erst nach Anprobe des fertigen Maßteils, da dieses industriell hergestellt ist. Deshalb erfolgt beim Maßkonfektionär eine zweite Vermaßung anhand einer Konfektionsgröße des unter 1. gewählten Anbieters, anhand derer mit Stecknadeln vor dem Spiegel die genaue Veränderung des Schnittes nach Kundenwunsch besprochen wird. Erst wenn alle Fragen nach Wohlgefühl und Taillierungsgrad besprochen sind wird der Anzug mit der unter 1. besprochenen Ausgestaltung geordert.

3. Fertigprodukt: Im Idealfall passt beides perfekt. Bei der Maßkonfektion muss häufig nach der Anprobe nochmals Feinschliff erfolgen aufgrund der fehlenden Anproben zwischendurch. Nach jeder Anprobe wird das Maßprofil korrigiert und steht für die nächste Anfertigung zur Verfügung. Die Anmutung des fertigen Kleidungsstücks ist durch die industrielle Herstellung sehr perfekt. Die Anmutung des handgeschneiderten Anzugs ist nicht ganz so industriell perfekt, vermittelt aber ein wenig mehr „Leben“, die Kanten und Nähte sind im Zweifel nicht so exakt, aber eben handgemacht. Bei der Maßkonfektion gibt es unterschiedliche Grade des Handfertigungsanteils. Werden sichtbare Nähte und Ärmeleinsatz von Hand gefertigt, verschwimmt der „Lebend“-Unterschied. Zurück bleibt die industriell korrekte Ausführung mit guten Qualitätskontrollen. Allerdings verschwimmt dann auch der Preisunterschied, der bei rein industrieller Fertigung per se noch gravierend ist.

4. Wertung und Quintessenz: In Deutschland gibt es keine Handvoll Maßschneider mehr, die einen perfekten Sitz gewährleisten können und auch das entsprechende Know-How besitzen – in Niedersachsen ist uns keiner bekannt. Möglicherweise noch zu finden in Düsseldorf, Hamburg oder München. Mit hochwertiger Maßkonfektion, Kompetenz in Beratung, Vermaßung, Farb- und Stil sowie ein wenig Geduld (für den Feinschliff) können Sie die Ergebnisse toppen.